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Der MS Hug

Der MS-„Hug“: Symptome, Auslöser, Behandlung und Tipps zum Umgang

(Letzte Aktualisierung: 18. Februar 2025 – ursprünglich von Marisa Wexler, Fachprüfung durch Ines Martins, PhD)¹

Was ist der MS-„Hug“?

Der sogenannte MS-„Hug“ bezeichnet ein ungewöhnliches, oft beunruhigendes Empfinden bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Es wird erlebt als ein Engegefühl oder ein „Zusammenschnüren“ im Brust- oder Bauchbereich, das gelegentlich schmerzhaft sein und das Atmen oder Bewegen erschweren kann.

Ursächlich dafür ist oft eine Störung der Nervenleitung infolge von Schäden an der Myelinscheide – der schützenden Hülle der Nervenfasern. Diese Schädigungen können zu Fehlwahrnehmungen (Dysästhesien) führen. Liegt die Ursache in Krämpfen der Zwischenrippenmuskulatur (Interkostalmuskeln), spricht man von einem muskulär ausgelösten MS-„Hug“. In anderen Fällen handelt es sich um neuropathische Schmerzen, ausgelöst durch fehlerhafte Nervenimpulse.²


Wie fühlt sich der MS-„Hug“ an?

Betroffene beschreiben sehr unterschiedliche Empfindungen. Typische Charakteristika:

  • Gefühl einer Art „Band“ oder „Gürtel“, der eng ums Brust- oder Bauchsegment zieht
  • Enge, Druck, Zwang oder quetschendes Gefühl
  • Schmerzen, Ziehen, Brennen oder stechende Empfindungen
  • Kribbeln, Taubheitsgefühle oder „Ameisenlaufen“
  • Das Empfinden kann rund um den Rumpf auftreten oder nur einseitig
  • Manche klagen über Atemnot oder ein Gefühl, dass sich der Brustkorb nicht frei ausdehnen lässt

Gelegentlich ähneln die Beschwerden denen eines Herzinfarkts oder eines starken Sodbrennens, weshalb Vorsicht geboten ist.³


Dauer und Häufigkeit

Der MS-„Hug“ kann nur sekunden- oder minutenlang auftreten – aber in manchen Fällen stunden- oder sogar tage- bzw. wochenlang anhalten.⁴ Nicht alle Menschen mit MS erleben diesen Zustand, und hinsichtlich Häufigkeit, Intensität und Dauer bestehen große individuelle Unterschiede.


Auslöser

Bestimmte Faktoren werden häufig als Trigger angegeben:

  • Müdigkeit / Erschöpfung
  • Stress
  • Temperaturwechsel
  • große Mahlzeiten
  • Infekte oder allgemeines Unwohlsein

Wenn du deine eigenen Trigger identifizieren kannst, lässt sich das Auftreten möglicherweise vermindern.


Erste Maßnahmen und was zu tun ist

  • Bei erstmaligem Brust- oder Engegefühl unbedingt eine medizinische Abklärung einholen – um einen Herzinfarkt oder andere schwere Ursachen auszuschließen
  • Wenn du bereits weißt, wie sich dein MS-„Hug“ anfühlt, kann der erneute Auftreten meist selbst eingeschätzt werden
  • Nur bei ausgeprägten Beschwerden oder Atemnot sollte zügig ärztliche Hilfe hinzugezogen werden
  • Notiere dir, wie sich dein „Hug“ anfühlt, wie lange er dauert und unter welchen Bedingungen er auftritt, um später mit deinem Ärzt:innen darüber sprechen zu können

Behandlungsmöglichkeiten

Der MS-„Hug“ bedarf nicht zwingend einer medikamentösen Therapie. Wenn jedoch eine ausgeprägte oder langanhaltende Erscheinung vorliegt, können Medikamente in Erwägung gezogen werden, meist gegen Nerven- oder Muskelreizungen:

  • Gabapentin oder Pregabalin – häufig zur Linderung von neuropathischen Schmerzen oder Spastiken eingesetzt
  • Amitriptylin oder Duloxetin – Antidepressiva, die auch Schmerzen beeinflussen können
  • Baclofen – ein Muskelrelaxans, das bei Spastizität eingesetzt wird

Wenn der MS-„Hug“ Teil eines Krankheitsschubs ist, können auch entzündungshemmende Medikamente wie Glukokortikoide helfen.⁵


Tipps zur Selbsthilfe und zum Umgang mit dem MS-„Hug“

Folgende Strategien können unterstützend wirken:

  • mögliche Auslöser meiden
  • weiche, nicht einengende Kleidung tragen
  • sanfte Bewegung (z. B. Dehnen, Spaziergänge, Yoga, Schwimmen)
  • Wärme- oder Kälteanwendungen
  • Atem- und Entspannungstechniken
  • alternative Therapieansätze wie Akupunktur oder Aromatherapie
  • Mineralstoffpräparate (z. B. Magnesium) – in Absprache mit Ärzt:in

Häufige Fragen (FAQ)

Kann der MS-„Hug“ Atemnot verursachen?

Ja – bei starker Enge kann das Gefühl entstehen, nicht tief einatmen oder ausatmen zu können.

Kann der MS-„Hug“ ein Herzinfarkt sein?

Da Symptome wie Engegefühl im Brustbereich auch einem Herzinfarkt ähneln können, ist eine umgehende medizinische Abklärung essenziell, besonders bei erstmaligem Auftreten.³

Tritt der MS-„Hug“ häufig auf?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Menschen erleben ihn nur gelegentlich, andere häufiger und intensiver.

Kann der MS-„Hug“ ein erstes MS-Symptom sein?

Ja, er kann gelegentlich früh im Verlauf auftreten, aber ebenso in bereits fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung.


¹ Basierend auf „The MS hug: Symptoms, triggers, treatments, and tips to manage“ auf Multiple Sclerosis News Today 

²–⁵ Inhalte adaptiert und in eigene Worte gefasst aus demselben Artikel

Mehr über MS im Podcast: